Der Wind

©Juliane Großmann

Die Böe, spürst du sie, sachte, nur ein Lüftchen, weht sie, flüstert, bringt das Herz in Schwingung. Kaum spürbar, trotzdem da.

Fast schon eingeschlafen, gelangweilt von dem ständigen Hin und Her, den Jahreszeitenwechseln, den Stimmungsschwankungen, den unterschiedlichen Gemütern, Erinnerungen, Gefühlen, der Ablehnung, der Euphorie.

Die Brise, erfrischend, lässt dich das erste Mal wieder freier atmen, Luft holen, aus der Ruhe in die Bewegung. Zögerlich, aber motiviert. Frisch ist sie, den Winter nimmt sie mit, die Frühlingsgefühle in der Hand.

Das Herz, pulsiert, schlägt im Takt, dennoch schneller, als noch vor ein paar Tagen, angesteckt von der Energie des Windes, der immer stärker wird. Aus dem Hauch wird ein Windstoß, erinnert dich daran, dich frei zu machen, Platz zu schaffen für Neues. Neue Energie, neue Glückskeime, die sich ihren Weg durch die Schlagader bahnen, durch die mit Lebensscheiß verkalkten Arterien, die Wut, die Verzweiflung. Hoch bis zu den Lungenflügeln. Dort verdoppelt sich die Kraft, potenziert sich bis der nächste Seufzer endlich alles raus lassen kann. Den Mist, der schon viel zu lange dort verborgen, eingeschlossen in sich harrt.

Eingewickelt in Watte, fast schon vergessen, wird alles wieder aufgewühlt, spürbar, verletzend, dennoch befreiend, wenn unter all dem Dreck eine Stelle frei wird, die neu bepflanzt werden kann. Fruchtbarer Boden, der lernen will, statt erinnern.

Das Herz, erwartend, tösend wie ein Orkan, im Strudel alles mitreißt, was es greifen kann. Wir im Schutze des Auges, windstill, ruhig, lass uns genießen, bis sich der Sturm auflöst. Festhalten, innehalten, leben, überleben im luftleeren Raum, so friedlich, zu schön, um wahr zu sein. Aushalten, Augen zu, bis er uns in die zerstörte, vernarbte Welt entlässt, schleudert, uns dort absetzt, wo wir uns schon einmal, immer wieder die Füße verbrannt haben, ich all die Narben her habe.

So unwirklich es dann ist, der nächste Luftzug verspricht Besserung. Feucht, warm und kraftvoll nähert sich der Monsun. Der, der alles wegspült, im Regen ertränkt, drückend schwül zum Halten mahnt, dennoch den sehnsüchtigen Nährboden mit Kraft füllt. Die Keime zum Sprießen zwingt. Vergeblich diese zu stoppen, keine Chance sich dagegen zu wehren, egal wie oft man sie am wachsen hindert oder sie klein zu halten versucht, sie treiben nach oben, wissen sie doch von ihrer Kraft und ihrer Daseinsberechtigung.

Das Herz bewegt vom Wind, ich kann es fühlen, bewegt vom Wind, bewegt von dir. Doch wie den Wind, kann ich dich nicht halten, nicht fassen, hältst du mich nicht. Taumelnd, immer wieder versuchend. Zwei Stürme, die mit all ihrer Kraft versuchen sich zu zerstören.

Was bleibt, unruhige Herzen, zwei Tornados, die sich am Ende wieder so schnell auflösen, wie sie sich gebildet haben oder zusammen übers Land fegen.

Ich entscheide mich für die Naturgewalt, unberechenbar, wütend, der Wirbelsturm, der ungebremst auf dich stößt, dich aufwühlt oder umstößt, je nachdem was du mir entgegenzusetzen hast. Hältst du Stand?

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