Versteck dich nicht! Du stehst dir am Besten!

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Ein kurzer Blick in den Spiegel, bevor ich das Haus verlasse. Sitz alles, sehe ich gut aus. Fragend, genauer hinsehend. Doch dem nicht genug; immer wieder suche ich mein Spiegelbild, sei es in einem Schaufenster oder einer Autoscheibe. Hinterfrage mich selbst. Bei genauerer Betrachtung merke ich, dass dieser Kontrollblick mir nicht nur Antwort auf die Frage: „Bin ich schön?“ geben soll. Vielmehr frage ich:

„Wer bin ich? Und bin ich gut so?“

Wenn ich aber genauer darüber nachdenke, merke ich, dass ich die selbstkontrollierenden Blicke nicht nur in Spiegel werfe. Oftmals, ehrlich gesagt sogar sehr oft, sind es andere Menschen, die Spiegel meiner Selbst werden. In denen ich mich wiederfinden will. Mit denen ich mich messe, vielleicht sogar in deren Rolle ich schlüpfen will. Die Frau, die mir in der Stadt entgegen kam. Größer, schöner, mit der Figur, die ich gerne hätte. Die Unternehmerin aus dem Zeitungsartikel. Erfolgreich, kreativ, glücklich. Für gewöhnlich versuche ich mein Leben auf das Leben (scheinbar) erfolgreicherer Frauen zu projizieren. Lese ihre Texte, sehe ihre Bilder. Wenn ich doch auch so schreiben, so zeichnen, so erfolgreich sein könnte. Muss sie ja sein, wenn ich in Zeitschriften von ihr lese. Ihre Bilder auf zahlreichen Plattformen zu sehen sind.

Dabei fällt es mir nicht schwer das ohne Neid anzuerkennen. Ich bin durchaus im Stande zu sagen: „Du bist schön! Ich mag deine Kunst! Ich lese deine Texte gerne!“ Aber warum lassen mich die Blicke auf Andere an mir zweifeln? Im Endeffekt verblende ich dadurch die Sicht auf mich Selbst. Der Blick nach links und rechts ist an und für sich ja nicht schlecht. Wenn wir richtig schauen!

Letztendlich habe ich es in der Hand, wie diese Blicke auf mich wirken. Einschüchternd, erniedrigend, bremsend ODER inspirierend, anspornend, herausfordernd. Ich habe mich für letzteres entschieden. Was nicht heißt, dass ich mich den einen oder anderen Tag nicht gerne in einer anderen Rolle sehen würde, ein anderes Kostüm tragen würde.

Auf den ersten Blick ist das spannend, neu, aufregend. Allerdings zeigt der zweite Blick, dass mir diese Kleider gar nicht passen. Denn so schön sie auch sind, zwickt der Erfolg der Anderen an den Nähten. Ist das Talent der Anderen am Ärmel zu kurz, die Ausstrahlung geht beim Waschen ein. Ich habe erkannt, dass ich mir am besten stehe! Ich bin mir auf den Leib geschneidert. Genug Stoff für mein Talent, elastische Nähte für meinen Erfolg (und den, der noch hinzukommt) und satte Farben, die meine Schönheit glänzen lassen.

Das Beste an diesem Kleidungsstück: ich habe es schon im Schrank. Ich gebe zu, ich musste lange danach suchen. Zwischen all den grauen Selbstweifelröcken, verblassten Selbstkritikjeans, ausgeleierten Skepsispullovern und aus der Mode gekommenen Zwiespaltblusen hing es; das `du-bist-gut-so-wie-du-bist-Kleid´. Bevor ich es aber endlich überstreifen konnte, musste einiges aus dem Weg geräumt werden.

Ich musste zu mir kommen. Mich sehen. Mich akzeptieren. Mit all meinen Fehlern, Schwächen, aber auch Stärken. All das bin ich, macht mich aus, macht mich bunt. Mein Herz, verwundet, verheilt und voller Liebe, ist es, was mich schlagend antreibt und anderen ein Lächeln auf´s Gesicht zaubert. Meine Gedanken, manchmal traurig, oftmals fröhlich, immer nach Neuem strebend, füttern meine Kreativität. Meine Stärke, immer wieder aufzustehen und meinen Weg zu gehen, bringt mich voran, lässt mich gerade durchs Leben gehen. Meine Zielstrebigkeit, die Wege zu gehen, die ich für richtig halte, hat mich zu dem gemacht, was ich jetzt bin. Und wird mich zu neuen Zielen führen. Meine Schwächen, kräftezehrenden Zweifel, die nervend pochen, lassen mich innehalten und mich hinterfragen. Spornen mich an, an mir zu arbeiten, besser zu werden.

Ich habe es geschafft, mein Lieblingsoutfit zu tragen: mich selbst. Und egal, wie viele Jacken ich darüber ziehe, es bleibt und erinnert mich jeden Tag daran, dass ich gut bin. So wie ich bin. Der Blick nach links und rechts inspirierend sein kann. Mir helfen kann, mich auf mich selbst zu fokussieren. Denn ich stehe mir am besten.

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