Muskeltraining

©HellbuntFotografie/Juliane Großmann

Faustgroß, 300 Gramm purer Muskel. Ich lebe. 70 Mal in der Minute marschiere ich, kontinuierlich, immer weiter, weiter. Niemals stillstehen.

In mir vier Räume. Die Ventrikel gefüllt mit Dämonen, Tränen, Erinnerungen, Gothic Novels, Dramen, endlosen ungehörten Monologen. Die Vorhöfe vollgestopft mit Geschichten, Anekdoten, Fabeln, Fantastereien, Utopien, Kurzgeschichten, lauthalsem Lachen, Tänzen. 100.000 Beats am Tag, 2,5 Milliarden in 70 Jahren. Ein Takt, ein Beat, der Bass, der mich bewegt, antreibt, vorantreibt, erinnert, ermahnt, motiviert, schupst, fordert.

Meine Türen, niemals geschlossen, nicht ganz geöffnet, immer die Möglichkeit einzutreten, weiter zu gehen, immer nach vorne, niemals zurück. Mein Motor versagt nie, schlafend, trauernd, zweifelnd, verletzend, verletzt, schreiend, schlagend, tobend; er läuft und läuft. Und mit jedem Schlag nimmt er 70 Milliliter Ideen, Träume, Gedanken, Spielereien mit nach draußen. Auf das sie sich stündlich, minütlich, in jeder Sekunde aufs Neue verteilen, vermehren. 100.000 Kilometer um sich mit neuen Ideen anzureichern, mehr aufzunehmen, zu sehen, erfahren, entdecken, zu spüren, zu lachen.

Manchmal überschlage ich mich, eile zu schnell, will zu viel, zu früh, zu eifrig, unbedacht. Dann hilft mir meine große Nachbarin. In ihren Armen liege ich, geschützt, etwas versteckt. Ihr ein und ausatmen bringen mich wieder in den richtigen Takt. Meine Muskeln manchmal nicht trainiert genug, müde vom vielen weitermachen. Gelangweilt von den immer wieder kehrenden Tragödien, Trugbildern, verängstigt von Verletzungen, vergiftetem Blut. Aber jedes Ja, jedes schallende Lachen, jeder Tanz im warmen Sommerregen, jeder Kuss, jede Berührung, jede Zuversicht baut ihn aufs Neue auf, lässt ihn anschwellen, anspannen, stärker werden. Dein ich kann nicht, euer wir sollten nicht, mein ich will, alles nährt meinen Willen zu schlagen, weiter, weiter, immer weiter. Ich lebe, fühle, laufe, renne, erbaue, zerstöre, ich lache, weine, schlage, streichle, ich liebe, verletze. Ich mache, weil ich will, weil ich kann. Jetzt, gestern, morgen, immer. Hier, dort, überall, mein Leben lang. Und werde es immer tun. Ich höre nicht damit auf!

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